#Speed

von Dennis Haßler

 

Wir ... haben ... doch ... keine ... Zeit ...

 

Schon einmal das Gefühl gehabt keine Zeit zu haben?

Irgendwie irrsinnig, oder? Hat doch jeder Tag dieselben 24 Stunden, für alle gleich! Warum aber fragt man sich am Abend so oft, wo der Tag denn nun geblieben ist? Und warum „geht die Zeit so schnell vorbei“? Und warum tut sie das auch noch immer schneller?
Vor Jahren schon hat mich das nebenstehende Buch, und der gleichnamige Dokumentarfilm dazu, stutzig darüber gemacht, wie ich – nein, eigentlich wie wir ALLE! – heutzutage mit unserem Leben umgehen.

Ein Beispiel: Mein ganzes Büro (Arbeitsplatz) und ebenso mein ganzes Alltagsleben ist irgendwie begleitet von so einer Vielzahl von technischen Helferlein. Ist ja auch kein Problem, denn Telefon, Computer und Co sind nicht per se böse oder sowas. Und auch diejenigen, die einen Thermomix zu Hause stehen haben, wollen den nimmermehr missen (jedenfalls kenne ich da niemanden). Der Casus knacksus ist der: Sie alle versprechen mir mein Leben leichter und effizienter zu machen. Der Gedanke: Wenn ich die Arbeit nicht selbst bzw. schneller machen kann, dann habe ich mehr Zeit für wichtige Dinge im Leben.

 

Das Komische ist nur: Je mehr solcher Helferlein mein Leben begleiten, desto weniger Zeit scheine ich zu haben… Je mehr zeitsparende Dinge Teil meines Lebens werden, desto mehr komme ich ins Fragen darüber, wo eigentlich all die Zeit geblieben ist… Mal ganz ehrlich: War das schon immer so, dass niemand mehr wirklich Zeit zu haben scheint? Was ist da los?!?

 

„Zeit ist Geld“ – kennt man, oder?

 

„Zeit ist Leben“ – schon mal drüber nachgedacht? Vor allem gestresste Menschen können mit so einem Slogan etwas anfangen; sind wir ironischer Weise doch zunehmend bereit dazu immer mehr Geld auszugeben, um ein wenig mehr Zeit für Wesentliches zu haben – sich um sein Leben kümmern, Wellness, Urlaub, Elternzeit, die man mit weniger Einkommen teuer bezahlt.


Aber irgendwo muss das Geld dafür wiederum herkommen… Das heißt: Mehr Arbeit, aber (=) weniger Zeit. Ein Hamsterrad. Und die scheinbare Lösung: Schneller, besser, effizienter arbeiten, schnelleres Internet, ein neues Smartphone, mit dem man noch mehr gleichzeitig machen kann. Das Ergebnis: Immernoch ein Hamsterrad, das sich aber immer schneller dreht.

 

Willkommen im Burnout. Oder in der Arbeitslosigkeit. Oder in sozialer Einsamkeit. Denn wer nicht mitzieht (oder nicht [mehr] mitziehen kann) fliegt raus aus dem System Hamsterrad. Und nicht Teil eines sozialen Netzwerkes zu sein bedeutet immer deutlicher: Schlicht nicht mehr informiert sein und mitbekommen was läuft, z. B. im eigenen Freundeskreis…

 

Der Clou dabei ist der, dass unser gesamtes Leben scheinbar nur noch in eine einzige Richtung laufen kann: In die schnellere. Denn wer langsam ist, bleibt liegen.

 

Hmmm, aber warum geht die Zeit so schnell vorbei, denn 24 Stunden blieben 24 Stunden? Ich würde es in etwa so beschreiben: Wer insgeheim hofft, dass ein Tag 48 Stunden haben müsste, der versucht quasi 2 Leben in einem unterzubringen… Alles muss dabei so bleiben, wie es ist, jedes mögliche Erlebnis in einem Leben (inkl. „einmal zum Frühstück nach Paris“… und wenigstens einmal in die USA etc.) muss da mitgenommen werden, aber es darf nur noch halb so lange dauern. Die Folge: Eher 2-3 Kurzurlaube pro Jahr machen, als einen ausgedehnten Jahresurlaub; lieber einen Powernap (Kurzzeitschlaf) zur Erholung machen, als einen längeren Mittagsschlaf usw. Und natürlich: ein Kurzurlaub ist schneller vorbei, als 3 Wochen Jahresurlaub! 20 Minuten Powernap dauern 40 Minuten kürzer, als eine Stunde Mittagsschlaf… Und das passende Zauberwort dazu: „Mal eben kurz…“

 

Was dabei aber passiert – und das beschäftigt mich, natürlich neben all jenen, die auf der Strecke bleiben – ist, dass uns die Ewigkeit verlorengeht. Alles, worum es geht, alles, worauf ein solches Leben sich konzentriert ist die Gegenwart, ist das Leben im Hier und Jetzt. Zukunft findet darin keinen Platz mehr, geschweige denn die Verantwortung für das Leben derer, die nach einem selber kommen. Was fehlt – jedenfalls, wenn Du Dich in diesen Zeilen wiederfindest – ist die Perspektive Jesu als eine Art Mitte der Zeit (selbst unsere Zeitrechnung – v. Chr. bzw. n. Chr. – orientiert sich daran), (Er-)Lösungsmöglichkeiten aus der Hamsterradlogik (Röm 7,24f).

Was denkst Du dazu!!!

 

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