Crucifixion of the Warrior God

von Dennis Haßler

 

Gott kämpft dafür, um Dich zu lieben! Er macht ALLES und setzt ALLES in Bewegung, ausnahmslos, um Dir nahe zu sein. Gott liebt Dich! Seine Geschichte mit dem Volk Israel im Alten Testament der Bibel ist ein Beispiel dafür. Doch was, wenn sich jemand dazwischen stellt? Was passiert, wenn jemand Gott daran hindern will, seinem Volk, oder auch Dir, nahe zu sein? Eine praktische Frage... Kann Gott auch anders, als "liebevoll"? Wie & was lese ich in meiner Bibel, wenn von...

 


... wenn von Gott und Gewalt die Rede ist?

 

Die Bibel... Klar, es geht um Gott und es geht um Jesus und darum, wie gut das alles für uns Menschen ist.

 

Vielen Christen ist dabei vor allem das Neue Testament wichtig. Die Evangelien mit Weihnachten und Ostern, wie Jesus Kranke heilt und insgesamt wie gut Gott zu uns ist. Und die anderen Schriften im Neuen Testament untermauern das nur: Gott tut, was gut für uns Menschen ist, bis zum Schluss!

 

Nimm Jesu Hilfe doch an! Und wenn Du Fragen und Zweifel hast: schau auf’s Kreuz. Dort siehst Du: Gott hat selbst sein eigenes Leben nicht verschont, um mir zu dienen. Gott will mein Diener sein (Joh 13,1-9) …, derjenige, der meinem Leben „Glück“ verschafft. So wichtig bin ich ihm (Joh 3,16). Das ist Liebe (1Joh 4,16). Und das wird sich auch nie ändern (Hebr 13,8)!

 

Aber gerade dieses Dienen empfinden andere in genau umgekehrter Weise. Es ginge doch nur darum, die Gesetze Gottes zu halten, ihm zu frönen. Denn nur zu denen, die Gott gehorsam sind, sei auch er gut. Für alle anderen aber sei gerade „[d]er Gott des Alten Testaments“, wie Richard Dawkins schreibt, „die unangenehmste Gestalt in der gesamten Literatur: Er ist eifersüchtig und auch noch stolz darauf; ein kleinlicher, ungerechter, nachtragender Überwachungsfanatiker; ein rachsüchtiger, blutrünstiger ethnischer Säuberer; ein frauenfeindlicher, homophober, rassistischer, Kinder und Völker mordender, ekliger, größenwahnsinniger, sadomasochistischer, launisch-boshafter Tyrann“[1].

 

Viele Menschen glauben das und machten Dawkins Buch dazu in den letzten 10 Jahren zu einem bleibenden Bestseller.

 

Ich glaube das nicht! Doch mich beschäftigt, wie man zu so einem Gottesbild kommt…

 

Und in der Tat: es finden sich einige Stellen im Alten Testament, die Dawkins recht zu geben scheinen und die man als Bibelleser auch nicht verschweigen kann! Da wäre z. B. das 2. Buch der Könige, Kap. 2, ab Vers 23. Elisa wird von einer Horde Kinder gehänselt, bis der Prophet die Nerven verliert und sie im Namen Gottes verflucht. Und dann, Zitat, „kamen zwei Bären aus dem Wald und zerrissen von ihnen 42 Kinder“.

 

Oder das Buch 1. Samuel, Kap. 15, die Verse 2 - 3. Da spricht Gott zum ersten König von Israel, Saul, dass er „den Bann“ am Volk der Amalekiter vollstrecken soll, das heißt, wieder Zitat: „verschone sie nicht, sondern töte Mann und Frau, Kinder und Säuglinge, Rinder und Schafe, Kamele und Esel“.

 

Und dann frage ich mich: wie kann das sein? Eine Bibel, ein und derselbe Gott, von dem darin die Rede ist (vgl. Mal 3,6; Hebr 13,8). Aber wie passen diese Darstellungen eines gewalttätigen Gottes im Alten Testament zu dem Bild desselben, liebenden Gottes, Jesus, an den ich glaube, und der im Neuen Testament seine Feinde umarmt (vgl. Mt 26, 49-50; Lk22,50-51) und völlig ohne Gegenwehr (vgl. Lk 23,34), selbstaufopfernd und aus reiner Liebe am Kreuz stirbt (Joh 3,16), sodass ich darauf vertrauen kann, dass sein Leiden letztendlich mir das ewige Leben (& nicht den Tod) beschert?

 

Eine mögliche Antwort – und darum geht es mir in diesem Beitrag – ist gut und gerne 1300 Seiten lang. Ein Buch zu der Frage, wie ich denn plausibel erklären kann – gerade Menschen, die darin ein Problem sehen –, dass selbst das ganze Alte Testament voller Liebe ist – denn das ist christlicher Glaube, das, wofür unsere LKG steht! Das heißt: eine Bibel, ein Wort Gottes, in dem jeder einzelne Buchstabe, inklusive der schwierigen Stellen, auf Jesus Christus hinweist: Gott am Kreuz.

 

„Crucifixion of the Warrior God“ – „Die Kreuzigung des kriegerischen Gottes“ von Gregory A. Boyd beginnt mit genau dieser Erkenntnis. Sie stammt aus dem Kolosserbrief, Kapitel 2, die Verse 8-9: Will man Gott und sein Handeln begreifen, dann nur, indem man weiß, was am Kreuz vor sich geht. Denn am Kreuz zeigt sich Gott wie er wirklich ist.

 

Und das hat zwei Dimensionen.


1.: Jesus wird zur Sünde, das heißt er wird zu dem gemacht, was Gott ablehnt (2Kor 5,21), so, als würde ich sagen: „Gott in meinem Leben? Sowas brauche ich nicht. Ich komm‘ schon klar.“

Deswegen verlässt der Vater seinen Sohn (Mk 15,34). Gott zieht sich zurück, denn er zwingt sich in niemandes Leben hinein. Doch am Kreuz erfährt Jesus dann konkret und am eigenen Leib, was es für uns Menschen heißt gottverlassen zu sein: das Ergebnis, eben das, was passiert, wenn Gott abwesend ist… Das, was wir dann sehen: es ist die Gewalt und die Schmach von Jesu Kreuzigung.

 

Dasselbe aber – so die Argumentation Boyds – geschieht in sämtlichen Stellen der Heiligen Schrift, in denen Gott in Zusammenhang mit Gewalt dargestellt wird: wo Sünde ist, da zieht er sich zurück. Gott geht auf Distanz zur Sünde. Sünde heißt: nicht nach Gott fragen. Im Alten Testament geschieht das oft. Überall da, wo Gott „scheinbar“ gewalttätig agiert. Doch wer hier bei dem Wort „scheinbar“ vielleicht stockt, der sei wieder auf das Kreuz verwiesen. Die zweite Dimension:

 

 

2.: Wo Gott sich vor der Sünde zurückzieht, bricht das Böse in diese Welt und in die entstandene Lücke hinein und tobt sich aus. Insofern: Gott, indem er sich zurückzieht, lässt zu, dass Jesus gekreuzigt wird, aber er kreuzigt ihn nicht selber! Das tun Menschen. Bzw. ist im Alten Testament der Gewalttäter selbst nie Gott, sondern „der Verderber“, (vgl. 1 Kor 10,10), den Gott allerdings in seiner Zurückgezogenheit an seinem Tun nicht hindert. Sofern aber Jesus wirklich Gott am Kreuz ist, bleibt Gott bei aller Zurückgezogenheit trotzdem anwesend: Jesus, Gott am Kreuz, doch in Gestalt eines Verbrechers (Jes 53,1-5)… Und dem gebührt, was Verbrechern gilt: das Kreuz. Die Pointe liegt darin: Gott am Kreuz, Jesus, spiegelt mir nur was passiert, wenn Menschen nicht nach Gott fragen, und das ist allzu oft Gewalt.

 

Die zweite Dimension von Jesu Kreuzigung ist die, dass Gott die Gestalt der Sünde selbst annimmt, obwohl er sie nicht begangen hat. Und – denn er bleibt ja als der, der das alles zulässt auch verantwortlich für das, was geschieht – Gott trägt am Kreuz die Konsequenz der Sünde selber und erleidet selbst Gewalt.

 

 

ABER WAS DENKST DU DAZU?

 

 

Gregory A. Boyd dekliniert dieses Bild von Gott und Gewalt im Alten Testament auf 1300 Buchseiten durch:

 

Ist Jesus Gott am Kreuz, bzw. zeigt sich am Kreuz Gott so, wie er wirklich ist; das heißt: ist Jesus die ultimative Darstellung bzw. Offenbarung dessen, was ich Gott nenne, sodass ich auch das Alte Testament in der Bibel in diesem Licht lesen muss, dann finde ich - denn sonst wäre mein ganzer Glaube inkonsistent und am Ende nur beliebig... - auch in den schwierigen Stellen des Alten Testaments bei aller Härte des Textes KEINEN gewalttätigen Gott vor!

 

Bzw. und wiederholt als Frage formuliert: wie kann ich selbst in den schwierigen Stellen des Alten Testaments, in denen Gott in Zusammenhang mit Gewalt dargestellt wird, von Gottes allumfassender Liebe zu ALLEN Menschen reden, ohne einen Unterschied zu machen zwischen "einem Gott des Alten Testaments" und "einem Gott des Neuen Testaments", denn das widerspäche schlicht der Botschaft von Jesus Christus (Kol 2,8f; Hebr 13,8; Mal 3,6 u. a.).

WAS DENKST DU DAZU?

Diskutiere mit und schreibe Deinen eigenen Kommentar, Deine Kritik, oder Deine Fragen, oder, oder, oder...

 


[1] Dawkins, Richard: Der Gotteswahn, Berlin 2016, 45.