Das Alter Lieben lernen

Alt werden?!?

 

Schon einmal darüber nachgedacht wie das geht, das, was ja eh unausweichlich für uns alle ist? Ja, wenn das so ist, kann man das eigentlich lernen: alt werden?!? Allerdings: will das nicht eigentlich keiner von uns – zugegebenermaßen – so wirklich: alt werden?!?

 

Ich stelle fest, zusammen mit Markus Müller in seinem neuen Buch [1]: „bis 50 geht es aufwärts, ab 50 geht es abwärts“ oder ähnliche Slogans sind viel bejahte Worte, die alle darauf hinauslaufen – oft zwar mit Witz und Charme, aber dennoch ernst gemeint –, dass das Alter im Leben eines Menschen mehr schlecht als recht, mehr negativ, als positiv, mehr als eine Abwärts-, statt als eine Aufwärtsbewegung angesehen wird. Aber stimmt das?

 

Ich mag da widersprechen und mit Markus Müller nach dem unvergleichlich Guten des Alters suchen.

 

Denn ganz nüchtern betrachtet – für all die scharfsinnigen Leser – verbringen wir gut ein Drittel unseres Lebens in der Zeit, die man auch „das Alter“ nennen könnte.

 

Meine Meinung: es macht keinen Sinn, es ist unvernünftig, ja, sogar ungebildet 20, 30 oder vielleicht 40 Jahre unseres Lebens pauschal als etwas anzusehen, das nur wenig erstrebenswert sei bzw. für alle irgendwann kommt, doch, sofern dieses Drittel „Alter“ heißt, ausgerechnet an meiner Lebenstür erst „morgen“ anklopft.

 

Ich stelle noch einmal fest: ob wir nun ein Leben als älterer Mensch erstreben oder nicht… wir leben dem entgegen oder befinden uns schon mittendrin.

 

 

Die Frage ist nur: wie?!? Das heißt: wie lebe ich???

 

 

Teste Dich selbst, Worin findest Du Dich am meisten wieder?

  • In der Generation von Groß- & Urgroßeltern, die den Krieg noch selber miterleben mussten, deren Leben aber stark durch den Einsatz für andere gekennzeichnet ist?
  • Oder bist Du ein 68er, geboren im, kurz vor oder nach dem Krieg, & mit einer Vorliebe im Leben herumzuexperimentieren & für Freiheitsräume zu kämpfen?
  • Oder gehörst Du zu den BabyBoomern, geboren ca. zwischen 1950 & 1968? Du packst gern mit an, lässt Dich einspannen & bist offen, um Neues zu wagen?
  • Vielleicht war Dein erstes Auto aber auch ein Golf. Dein Jahrgang: etwa zwischen 1968 & 1980 & Du magst es nicht, bloß Deine Pflicht zu erfüllen – was Du tust soll schon was bringen… Generation X.
  • Oder gehörst Du zur Generation Y, geboren ungefähr zwischen 1980 & 2000, ein Kind der Globalisierung, mit dem Internet groß geworden & einer zentralen Aufgabe: deinen Platz & deinen Sinn im Leben zu finden? Nicht Vergangenheit oder Zukunft zählen wirklich, sondern Leben im Hier & Jetzt: verwirkliche Dich selbst…

 

In jedem Fall: Du bist angesprochen! Und egal welcher Generation Du Dich zugehörig fühlst, unser Leben findet gerade in dem Moment statt, in dem Du diese Zeilen liest. In der Gegenwart leben wir, um sie kämpfen und ringen wir.

 

Wie soll sie aussehen, diese Gegenwart?

 

Anders gefragt: was ist nötig, damit Dein Leben jetzt gelingt, sei es, dass Du (noch) jung bist, oder sei es eben, dass Du alt bist?

 

Was gibt Perspektive?

 

Für was lohnt es sich noch einmal aufzubrechen?

Zurück zum Anfang: ich glaube, alt werden kann man lernen! Lebensplanung für Fortgeschrittene – für die Jungen, weil das, was jetzt kommt, unschätzbar wertvoll für Deine Zukunft ist; für die Älteren, um den unvergleichlichen Wert desjenigen Lebensabschnitts zu entdecken, in dem Du Dich gerade befindest.

 

Denn Gegenwart und Dein Leben, so, wie es jetzt ist, sind nicht einfach das Zufallsprodukt von Umständen, nicht das Ergebnis undurchschaubarer Kräfte, die man Schicksal oder so ähnlich nennt. Sondern Gegenwart und ein Leben, so, wie es gelingen kann, sind das Ergebnis des mündigen Umgangs mit Vergangenheit und Zukunft.

 

Also: werde mündig!!!

Wie??? Lies' weiter!

 

Etwas weiter oben, im „Selbsttest“, kursiv geschrieben: trifft das – aus Deiner Generation und in aller Kürze – irgendwie auf dich zu? Es sind Werte, die die „Generation Z“, geboren ca. zwischen 1995 & 2010 schon wieder ganz anders sieht… Doch was Dich dabei betrifft: Deine Prägung von damals wirkt sich auch heute entsprechend aus!

Wenn Du also das Gefühl hast – von „Generation Z“ vielleicht – nicht mehr gebraucht zu werden, Freiheitsräume heute durch Sicherheitsdenken ersetzt werden, die Pflicht plötzlich wieder schön wird & als Arbeitstugend gilt, oder so etwas wie Selbstverwirklichung gar keine Rolle mehr spielt, dann steht die Frage im Raum – für die eher Jungen: wo ist eigentlich mein Platz? – für die eher Alten: was soll ich mit meinem Leben noch anfangen, wenn das, was mich bisher angetrieben hat, plötzlich veraltet & belanglos wird?

 

Genau hier gilt aber: Es gibt kein menschliches Leben ohne Fundament und dem Wissen, woher ich komme & was mich geformt hat, und es gibt kein menschliches Leben ohne Firmament und dem Wissen, wohin ich gehe!

 

Ja, niemand kann besser die Fundamente abstecken auf die es sich lohnt sein eigenes Leben aufzubauen, als jemand, der schon auf viele Lebensjahre zurückblicken kann – die Erfahrung und das Wissen um das, was sich bewährt hat bzw. das, was sich als Wahrheit erwiesen hat im eigenen Leben kann nirgendwo größer sein, als im Alter.

 

Für alles, was war deshalb: Danke! Denn wenn sich etwas bewährt, bedeutet das ja nichts anderes, als dass sich etwas im Tun als wahr erweist. Wahrheit macht frei, sagt Jesus in der Bibel (Joh 8,32), frei, um dem, was kommt mit der Orientierung an dem, was sich bisher im eigenen Leben bewährt hat, entgegenzugehen bzw. das, was bisher nicht funktionierte, nicht zu wiederholen - Veränderung ist möglich! Wie werde ich vor dem Hintergrund also mein Morgen planen und meine Zukunft gestalten?

 

Wie wäre es mit dieser Perspektive: jedes neue Lebensjahr werde ich reicher an Erfahrung, reicher an Orientierungsmöglichkeiten. Älterwerden = reicher werden! Nicht „absteigen“ in ein „ich kann nicht mehr“, sondern „aufsteigen“ in ein „das wusste ich ja noch gar nicht“… Zu allem, das kommt, deshalb: Ja!  Wenn ich an einem Bahnsteig unsicher bin, dann frage ich den Schaffner ja nicht, woher der Zug kommt, sondern wohin er fährt... Wohin fährt mein Lebenszug?

 

Das Firmament, die Perspektive, das Ziel: Hoffnung geht nicht zugrunde, sondern gerade im Alter erfahre ich,

welche Hoffnung trägt, & welche nicht! Alt sein = reich sein = mündig sein!

Was denkst Du dazu?

Rede mit und schreibe Deinen eigenen Kommentar, Deine kritik, oder Deine Fragen, oder, oder, oder...

 

 


[1] Markus Müller: Lebensplanung für Fortgeschrittene. Wie wir älter werden wollen, Holzgerlingen, 2016.