Warum eigentlich Lobpreis???

von Dennis Haßler

 

Danken und Loben sind nicht das Gleiche

 

Es gibt immer viel zu sagen im Leben. Auffällig ist aber - gerade bei uns Deutschen - dass wir uns immer wieder absichtlich daran erinnern müssen, das Danken nicht zu vergessen; irgendwie sind wir da nicht unbedingt gut drin. So bringen wir unseren Kindern schon bei: "Wie sagt man - genau, 'bitte' und 'danke'."

Aber loben? Dagegen fällt selbst das Danken leicht... Und preisen?! Naja, werden wir mal nicht übermütig...

Jemanden zu preisen und mit Lobliedern überhäufen, die man wirkich dichtet und in der Gesellschaft auch noch vorträgt, das gehört - so scheint es mir - vor allem vergangenen Zeiten an. Heute wirkt das eher arogant oder bietet höchstens Stoff für Satire, die den Sinn von (Lob-)Preisungen eh umdreht: mit viel Witz nicht wenig spotten.

 

Wenn ich aber an solche vergangenen Zeiten denke, dann fallen mir vor allem große Persönlichkeiten ein, nicht jedermann, für die man Lieder schrieb. Vor allem 'große Taten' oder etwas bemerkenswertes, wie zum Beispiel die umwerfende Schönheit einer Frau, hat Leute dazu angestiftet, Lieder zu schreiben.

 

Lob und Preis ist jeweils etwas Besonderes! Aber beides zusammen beamt einen schier in andere Sphären.

 

Da gibt es in der Bibel das Hohelied (hebräisch: schir ha-schirim = »Lied der Lieder«) dem die höchsten Töne nicht ausreichen um das zu beschreiben, was der Schreiber da ausdrücken will. Es geht um die Liebe zwischen einem König und einer Geliebten. Sie heißt Sulamith. Das bedeutet »die Friedliche«.

 

Dazu wurde und wird viel interpretiert. Doch allgemein zeigt sich am Hohelied die Daseinsfreude und ein erfülltes Leben vor Gott. Das »Lied der Lieder« besingt, was man in einer Welt wie der heutigen die Tiefe Sehnsucht nach Heimat und Frieden nennen könnte, wo Freude und Glück unter Menschen nichts Gespieltes sein muss.

 

Und wer das bringt, dem gilt mehr als Dank - wird und ist dadurch das Leben doch wirklich etwas Lebenswertes...!

 

Persönlich ist mir Gott derjenige, demgegenüber meine höchsten Töne nicht rüberbringen können (abgesehen davon, dass mein Singen nicht gut klingt...), was ich empfinde, wenn er mir ganz privat zum Heimathafen wird, bei dem ich Frieden, Freude, Glück finde.

 

Im biblischen Hebräisch gibt es für »danken« keine Vokabel... Da gibt es die Psalmen (hebräisch: tehillim, »Preisungen«), die zu den persönlichsten Texten der ganzen Bibel zählen - der Psalter, ein Andachts- und Erbauungsbuch. Auch das unaussprechlich Negative wird hier versucht zu verarbeiten und dem anheim gestellt, der oft als das Letzte da steht, an das man sich wendet, wenn einem selber die Ideen und Hoffnungen ausgehen, wem nun »Dank«, bei erfahrenem Glück, oder »Bitte und Flehen«, bei erfahrenem Leid zu gelten habe.

 

Ich selber will aber nicht erst am Ende bei dem landen, was mich erbaut, sondern mir vorher schon zu denken geben und 'Andacht machen', wie ich mir und meinem Leben gegenüberstehe, damit ich, wie am Anfang geschrieben, auch das Danken nicht vergesse. Und deswegen möchte ich den Spieß umdrehen und mir folgendes vor Augen halten, denn Danken und Loben sind nicht das Gleiche:

  • Im Loben wird der Gelobte erhöht , ich stelle ihn über mich; im Danken bleibt der Bedankte an seiner Selle stehen , mit mir auf Augenhöhe quasi
  • Zum Danken braucht es einen Grund; zum Wesen des Lobens gehört Freiheit und Spontanität
  • Loben geschieht in Freude; Loben kann nie, Danken muß sehr oft geboten werden
  • Im Loben bin ich ganz auf den gerichtet, den ich lobe; damit schaue ich in diesem Augenblick weg von mir. Im Danken bedanke ich mich; es geht um das, was mir einst gegolten hat, für das ich dankbar bin

Indem ich lobe, stelle ich mich auf die andere Seite und vergesse mich einstweilen. Und wenn ich zurückkehre zu mir und meinem Lebensalltag, dann tue ich das im Lichte dessen, den ich soeben gelobt habe - das tut gut und das erbaut. Denn wenn ich lobe, dann stelle ich ja gerade die Vorzüge des anderen heraus im Unterschied zu meinem eigenen Befinden und geselle mich dazu, stelle mich in die Gemeinschaft dessen, den ich lobe.

 

Mich inspiriert Psalm 139:

1 EIN PSALM DAVIDS, VORZUSINGEN.
    HERR, du erforschst mich
      und kennest mich.
    2 Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es;
      du verstehst meine Gedanken von ferne.
    3 Ich gehe oder liege, so bist du um mich
      und siehst alle meine Wege.
    4 Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge,
      das du, HERR, nicht schon wüsstest.
    5 Von allen Seiten umgibst du mich
      und hältst deine Hand über mir.
    6 Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch,
      ich kann sie nicht begreifen.
    7 Wohin soll ich gehen vor deinem Geist,
      und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?
    8 Führe ich gen Himmel, so bist du da;
      bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.
    9 Nähme ich Flügel der Morgenröte
      und bliebe am äußersten Meer,
    10 so würde auch dort deine Hand mich führen
      und deine Rechte mich halten.
    11 Spräche ich: Finsternis möge mich decken
      und Nacht statt Licht um mich sein –,
    12 so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir,
      und die Nacht leuchtete wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht.
    13 Denn du hast meine Nieren bereitet
      und hast mich gebildet im Mutterleibe.
    14 Ich danke dir dafür,
      dass ich wunderbar gemacht bin;
    wunderbar sind deine Werke;
      das erkennt meine Seele.
    15 Es war dir mein Gebein nicht verborgen,
    als ich im Verborgenen gemacht wurde,
      als ich gebildet wurde unten in der Erde.
    16 Deine Augen sahen mich,
      als ich noch nicht bereitet war,
    und alle Tage waren in dein Buch geschrieben,

die noch werden sollten und von denen keiner da war.

17 Aber wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken!
      Wie ist ihre Summe so groß!
    18 Wollte ich sie zählen, so wären sie mehr als der Sand:
      Am Ende bin ich noch immer bei dir.

 

 

Warum also eigentlich Lobpreis??? Ich würde sagen, weil es gut tut, hinein bis in die verborgenen Sphären meines Lebens, für die es keine Worte gibt. Weil es mir Gott ins Bewusstein holt; weil es mir seine Perspektive öffnet und ich "mehr" sehen kann.

 

Ich freue mich, Dich bei einem unserer Lobpreisabende- oder gottesdienste einmal begrüßen zu dürfen.